Digitaldruckverfahren – Herausforderungen und Chancen

Der Referent, Herr Dr. Martin Schleusener, hat freundlicherweise zum folgenden Kurzbericht den Vortrag als PDF-Bericht (ca. 2,9 MB) zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen der IDD-VDD-Seminarreihe fand am 22. Januar 2004 ein Vortrag von Herrn Dr. Martin Schleusener von der Firma Océ Printing Systems GmbH mit Standort in Poing/München statt. Océ ist ein im Bereich s/w-Druck weltweit führendes Unternehmen mit Stammsitz in den Niederlanden, das unter anderem Kopierer und Hochleistungsdrucker produziert. Der Name des Unternehmens stammt aus der Muttergesellschaft und stand ursprünglich für „OK“.

In der letzten Zeit ist bei vielen Herstellern ein Rückgang bzw. eine Stabilisierung im Bereich der digitalen Drucksysteme festzustellen. HP kaufte Indigo auf und stieg in den Professional Electronic Printing ein. Kodak kaufte Scitex Digital auf und stieg wieder in den Professional Electronic Printing ein. Bei Océ und Siemens haben sich eine stabile Entwicklung im s/w- Druck sowie ein langsamer Einstieg in den Mehrfarbendruck abgezeichnet.

Was sind die Ursachen für die gegenwärtige Situation des Digitaldrucks? Ist die so genannte „Blase“ geplatzt? Ist die wirtschaftliche Sättigung erreicht?

Hinsichtlich der Printmedien lassen sich folgende Trends geben:

  • Die Informationstechnologie wird der dominierende Wirtschaftszweig.
  • Die Non-Print-Medien wachsen jährlich zweistellig.
  • Die Printmedien wachsen langsamer.
  • Die Struktur der Printmedien wandelt sich.

Somit gilt es für konventionelle Druckmaschinen

  • kürzere Rüstzeiten,
  • vereinfachte Druckwerke,
  • Druckwerke über Netze sowie
  • Ct-Plate- und Ct-Press-Verfahren

anzustreben.

Für NIP-Verfahren (NIP: Non-Impact-Printing) dagegen bedeutet dies

  • eine höhere Qualität,
  • eine höhere Druckgeschwindigkeit,
  • niedrigere Seitenkosten sowie
  • mehr Farben

zu verwirklichen.

Es existieren zahlreiche NIP-Verfahren. Manche unterscheiden sich technologisch nur wenig voneinander. Die wichtigsten sind: Elektrofotografie, Magnetografie, Ionografie, Ink Jet sowie Toner Jet. Keine der verwendeten Technologien kann als universell betrachtet werden. Vielmehr eignen sich die einen besser für kleine Auflagen, die anderen eher für hohe Druckgeschwindigkeiten. Andere zeichnen sich durch eine einfach aufgebaute Druckeinheit aus.

Die Hochleistungsdrucker von Océ funktionieren nach dem Prinzip der Elektrofotografie. Das Kernstück dieser Drucker ist der Zeichengenerator, der heute mit LEDs anstelle des konventionellen Laserstrahllinsensystems ausgestattet ist. Die LEDs bieten den Vorteil einer ortsfesten Lage, die das schwingungsfreie Drucken mit höherer Geschwindigkeit und höherer Lichtausbeute ermöglicht.

Bei der Elektrofotografie werden folgende Fotoleitersysteme, eingeteilt nach Schichtdicke, eingesetzt:

  1. Dicke Schichten: Haben das Problem der begrenzten Ladungsbeweglichkeit und damit der niedrigeren Geschwindigkeit (werden heute überwiegend verwendet).
  2. Dünne Schichten: Kleinere Punkte als bei dicken Schichten sind möglich.
  3. Mehrschicht-Aufbau: Ermöglicht Geschwindigkeiten von 3 m/s sowie eine sehr gute Bildqualität, ist aber teuer.

Toner

Die Toner werden nach dem Schmelz-Mahl-Verfahren hergestellt. Heute gibt es ein neues Verfahren, bei dem der Toner chemisch nach der Keimtechnologie entsteht. Der Vorteil der neuen Technologie liegt in der Möglichkeit, Gestalt und Größe der Tonerteilchen im Voraus zu bestimmen. Die Oberfläche der Teilchen ist sehr fein. Außerdem ist diese Technologie preiswerter als das Schmelz-Mahl-Verfahren. Mit diesem Verfahren konnte eine Teilchengröße von kleiner 5 µm verwirklicht werden.

Druckerauflösung

Bei der Druckerauflösung ist zwischen der physikalischen Auflösung, definiert als kleinster druckbarer Punktdurchmesser, und der Adressierbarkeit, also dem Rasterabstand der Mikropixel, zu unterscheiden.

Vierfarbendruck

Elektrofotografische Vierfarbendrucker können nach folgenden Bauformen eingeteilt werden:

  • Transfer-Drum-Prozess,
  • Tandem-Prozess,
  • Double-Transfer-Prozess sowie
  • Single-Drum-Prozess.

Das Direct-Imaging-Verfahren von Océ ist gekennzeichnet durch folgende Merkmale:

  • Bogendruck: 25 Bogen/min.
  • Druckbreite: 301 mm.
  • Auflösung: 400 x 1600 dpi.
  • Schnittstelle: PostScript/PDF.
  • 7-Farben-Drucker, wobei die Farben nebeneinander aufgetragen werden (keine Überlappung).
  • Leitfähiger Magnettoner.

In absehbarer Zeit soll ein neuer Hochleistungsdrucker von Océ vorgestellt werden. Dieser Drucker arbeitet mit sieben Farben und ermöglicht einen sehr dünnen Farbauftrag. Diese Technologie bietet nicht nur Qualitätsvorteile sondern auch Vorteile hinsichtlich Tonereinsatz und -kosten.

Eine große Chance hat der Digitaldruck zukünftig nur dann, wenn folgende Bedingungen eingehalten werden:

  1. Die Wirtschaftlichkeit gegenüber Offsetdruck muss erhöht werden. Die digitalen Druckverfahren müssen bis zu einer Auflage von 5000 Exemplaren günstiger als die konventionellen Druckverfahren sein. D.h., die Kosten pro Seite müssen sinken. Heute sind die digitalen Verfahren nur bei einer Auflage unter 500 Exemplaren günstiger.
  2. Die Codierungssprache soll vereinheitlicht werden.
  3. Die Maschinenauslastung und -flexibilität sollen erhöht werden.
  4. Der Mehrfarbendruck und die Druckqualität sollen verbessert werden.
  5. Die Maschinenverfügbarkeit soll erhöht werden.

FM-Raster in der Praxis von Bogen- und Rollenoffsetdruck

Das IDD der TH/TU Darmstadt bildete zu Beginn der 1980er Jahren die Keimzelle einer neuen Raster-Technologie, der man in Analogie zur Funktechnik den Namen „Frequenz-modulierte = FM Rasterung“ gegeben hat, während man bei der konventionellen Raster-Technologie von der „Amplituden-modulierten = AM Rasterung“ sprach. Was war geschehen? em. Prof. Dipl.-Ing. Karl R. Scheuter (85), der zu diesem IDD-VDD-Seminar kurz vor Weihnachten speziell von seinem Wohnsitz in Thun, Schweiz, angereist war und in den 1980er Jahren dieses Umdenken als Ordinarius des IDD in die Wege geleitet hat, erklärte dies in einem Statement am Ende des überaus informativen Referats und Praxisberichts von Ulrich Stetter, Absolvent der HdM in Stuttgart und schon seit einigen Jahren Technischer Leiter des Druckhauses Bayreuth, mit dem folgenden Wortlaut, den der Berichterstatter zur Verdeutlichung des Entwicklungsweges von FM an den Anfang gestellt hat:

Prof. Karl R. Scheuter:„Der Weg zum FM-Bildaufbau – ich vermeide den Begriff FM-Raster, weil unsere Vorstellung vom idealen Bildaufbau rasterlos ist – hat eigentlich schon um 1960 begonnen, als ich noch bei der Maschinenfabrik WIFAG in Bern, Schweiz, die Druckmaschinen-Konstruktion leitete. Auslöser war ein Lichtdruck (Druck von einer mit Kaliumbichromat sensibilisierten Gelatineschicht auf einer Glasplatte, wobei während der Belichtung und anschließenden Trocknung eine Runzelkornbildung auftritt), der mir von amerikanischen Geschäftsfreunden gezeigt wurde und der eine so hohe Detailschärfe aufwies, wie ich sie nur von Profi-Fotos her kannte.

Dass es zwei Jahrzehnte dauerte, bis ich mich den Dingen richtig annehmen konnte, lag daran, dass die dazu erforderlichen Mittel in einer Maschinenfabrik nicht vorhanden waren und ich mich bei meiner Berufung 1966 auf den Lehrstuhl des IDD in Darmstadt anderen, dringenderen Dingen und Aufgaben zuwenden musste, wie der Entwicklung der theoretischen Grundlagen der Bildübertragung (Dissertation von Dr.-Ing. Klaus Wolf , 1970) und dem Nachweis ihrer Gültigkeit (Dissertation von Dr.-Ing. Roland Hradezky, 1977). Im Übrigen war es wohl so, dass wir bei der Aufnahme der FM-Entwicklung in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre den frühest möglichen Zeitpunkt vorfanden, dessen Stand der Technik einen Erfolg erst wahrscheinlich erscheinen ließ.

Ich bin sicher, dass unsere Arbeit, die in die Dissertation von Dr.-Ing. Gerhard Fischer 1986 mündete, die erste auf diesem Gebiet war. Die wichtigsten Zeugen dafür sind natürlich die uns als Erfinder nennenden nachfolgenden Patente. Die Dissertation Fischer wurde am 28.1.1986 eingereicht und trägt das Erscheinungsdatum 1986. Das erste Patent, welches jene Technik umfasst, die allgemein als FM-Raster bezeichnet wird, nämlich DE 293 109, bzw. EP 0 032 908, weist die Priorität 31.7.1979 auf. Da wir damals viel veröffentlichten, basieren wohl alle übrigen bisher bekannt gewordenen FM-Raster darauf.

Doch unsere Vorstellung von einem rasterlosen Bildaufbau war, wie bereits gesagt, eine andere. Vereinfacht ausgedrückt, wird bei der seitherigen FM-Technologie ein Raster über die Vorlage gelegt und die Tonwerte der Raster-Teilflächen gemessen. Anschließend wird die zur Erzeugung des jeweiligen Tonwertes notwendige Anzahl der Druckpunkte konstanter Größe berechnet und in den entsprechenden Rasterteilflächen stochastisch (zufallsbedingt) verteilt. Ein FM-Raster-Bild ist somit, anschaulich gesagt, ein autotypisches Bild, dessen Rasterpunkte in Teilflächen gleicher Größe explodiert sind. Die höhere Bildschärfe des FM-Raster-Bildes entsteht bei gleicher Rasterfrequenz – das scheint heute die Regel zu sein – nur durch den Wegfall der Rosetten.

Die Größe der Rasterteilflächen – und damit der Rasterfrequenz – eines FM-Raster-Bildes folgt zwangsläufig aus der gewünschten Anzahl der Tonwertstufen und der gewählten Druckpunktgröße. Für beispielsweise 64 Tonwertstufen und 10 µm-Druckpunkte ergibt sich eine Teilflächenbreite von 80 µm, also eine Rasterfrequenz, d.h. Bildauflösung von 125 / cm. Betrachtet man 64 Tonwertstufen und 10 µm für die Punktgröße als praktische Minimalwerte, dann heißt das eben auch, dass die FM-Raster-Technik keine Bildauflösung über 125 / cm zulässt. Zum Vergleich: Der Lichtdruck erreichte schon vor 135 Jahren (Josef Albert 1868) eine Bildauflösung von rund 400 / cm und die Profi-Fotografie eine solche von 1000 / cm.

Einen echten FM-Bildaufbau beschreibt unser Patent EP 0 074 422 vom 12.9.1981. Die Vorlage wird danach in ihre Bilddetails zerlegt und die Tonwerte jedes dieser Details gemessen. Anschließend wird die zur Erzeugung des jeweiligen Tonwertes notwendige Anzahl der Druckpunkte konstanter Größe berechnet und die Druckpunkte dann in der entsprechenden Detailfläche stochastisch verteilt. (zum Verständnis: Als Bilddetail gilt eine konturierte Teilfläche des Bildes, in welcher die örtlichen Tonwerte innerhalb eines definierten Toleranzbereiches konstant sind).

Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass die maximal mögliche Abtastfrequenz, d.h. die maximal mögliche Bildauflösung, nur durch die gewählte Druckpunktgröße festgelegt ist. Ein 10 µm-Druckpunkt würde somit eine Bildauflösung von 1000 / cm ermöglichen. Damit wäre es möglich, die Qualität des gedruckten Bildes der Qualität einer Profi-Fotografie grundlegend anzugleichen. Ich weiß natürlich, dass beim heutigen Stand der Technik dieses Ziel nicht unmittelbar erreicht werden kann. Doch mit den Vorarbeiten könnte man bereits beginnen“.

Dieses Statement wurde vom mehrheitlich fachkundigen Publikum mit einem spontanen Szenenapplaus aufgenommen und Prof. Dr.-Ing. Edgar Dörsam als Moderator dieses Seminars versprach, diesen Gedanken bei seinen zukünftigen Planungen von Forschungsvorhaben zu berücksichtigen, entspreche er doch seiner Intention, das Offset-Druckverfahren für seine Zukunftssicherung weiter zu entwickeln (siehe seine Rede bei der VDD-Jahrestagung 2003 in Düsseldorf).

Nun aber zum Vortrag von Ulrich Stetter, der vor allem den Druckqualitätsgewinn und die Wirtschaftlichkeit durch Einsatz von FM-Rasterung zum Inhalt hatte. Das Druckhaus Bayreuth beschäftigt 120 Mitarbeiter, besitzt eine umfangreiche Zeitungsvorstufe, Bogen- und Heatset-Rollenoffsetmaschinen, eine Zeitungsrotation für 4 Tageszeitungen und eine vollstufige Verarbeitung und Logistik. 100% aller Produkte im Heatset-Rollenoffsetdruck werden heute mit 20 µm-FM-Rastern und 90% aller Bogenoffset-Produkte mit 10 µm-FM-Rastern hergestellt.

Auch Ulrich Stetter begann seine Ausführungen mit einem historischen Rückblick, wobei er neben der Würdigung der Arbeiten von Prof. Scheuter und seinem Team am IDD die frühe Veröffentlichung in USA von Floyd & Steinberg aus dem Jahre 1976 erwähnte, die auf die Bürokommunikation (Kopiertechnik) und weniger auf den Druck abzielte, aber bereits auf die Schwierigkeiten mit dem Rauschen bei den Mitteltönen hinwies. Es wurde in dieser Veröffentlichung kritisch erwähnt: „Die Zufallsverteilung von Punkten erhält hier eine zusätzliche Gewichtung durch Regelbildung für das Verhalten von Nachbarpixeln. Die Detailabbildung ist bereits gut, doch in den Tiefen sind noch Wellenformen erkennbar. In weiteren Versuchen wurde dies reduziert, dann kam es aber zu Rauschen in den Mitteltönen“.

Auf die kommerzielle Seite der Vermarktung der ersten FM-Raster eingehend, erwähnte er, dass die FM-Raster der 1. Generation noch diesen Mangel aufwiesen. Da war zunächst das FM-Raster, das von der Firma „Bilda“ von Dr. Jean Fischer & Partner in Darmstadt entwickelt wurde und dann nach der Praxiserprobung durch Dieter Maetz über die Reproanstalt Vignold zu Beginn der 1990er Jahre an Agfa als „CrystalRaster“ verkauft wurde. Fast zur gleichen Zeit kam von Linotype-Hell das „Diamond Screen“ heraus. Wegen des Rauschens, aber auch, weil bei der Filmkopie fast Reinraum-Bedingungen vorzuliegen hatten und der optische Kopierprozess die Feinheit der Bildpunkte begrenzte, war die Einführung eher schleppend.

Erst mit der Durchsetzung der CtP-Technologie mit dem Vorreiter Zeitungsdruck ab Mitte der 1990er Jahre konnte die FM-Rasterung einen Durchbruch auch im Akzidenzbereich erzielen, wobei die von Dr. Jean Fischer vorgeschlagenen Hybrid-Systeme, wie Agfas „Sublima“ (Lichter und Tiefen in FM, Mitteltöne in AM) das Rauschen umgingen. Schließlich kamen aber FM-Raster der 2. Generation auf, die durch Weiterentwicklung der mathematischen Algorithmen und Änderungen bei den Verknüpfungen das Rauschen überwanden. In Bayreuth setzt man heute das „Staccato“ von Creo ein, das zu diesen FM-Rastern der 2. Generation gehört. Die Druckpunkte messen dabei 10 und 20 µm. Auch das „Satin Screening“ von Heidelberg ist als ein FM-Raster der 2. Generation zu benennen, scheint aber noch nicht in der Entwicklung ganz abgeschlossen zu sein.

Während bei einem autotypischen AM-Raster die Randlänge der Rasterpunkte auf einer 1×1 mm messenden Fläche nur 9,3 mm groß ist, beträgt diese bei einem 20 µm-FM-Raster 100 mm und bei einem 10 µm-FM-Raster gar 200 mm. Es ist deshalb verständlich, dass der Lichtfang-Effekt bei FM-Rastern entsprechend größer auftritt und deshalb die Punktzunahme bei Densitometer-Messungen entsprechend hoch ausfällt. Statt Densitometer müssen deshalb bei FM-Rastern spektralfotometrische Messungen zur Kontrolle durch Farbvergleiche eingesetzt werden.

Diesem vermeintlichen Nachteil stehen jedoch die verbesserte Nutzung der Farbpigmente (ca. 15% weniger Farbverbrauch), der reduzierte Einfluss der Papierfärbung (das Papier erscheint weißer) und der erweiterte Farbraum (andere Farbwirkung durch Lichtfang-Effekt) als Vorteile gegenüber. Auch reagieren FM-Raster weniger auf Registerstörungen, was das britische Pira-Forschungsinstitut bereits früher festgestellt hat (für 0,15 mm Registerdifferenz liegt das DE bei FM bei nur 0,8-1,6, während bei AM ein DE von 2,4 hingenommen werden muss),

Die Grenzen von FM-Rastern treten auf: bei stark saugenden Papieren im Bogenoffsetdruck und bei der Verwendung von Metallicfarben mit fluoreszierenden Farben und großen Pigmenten. Ab Januar 2004 will man in Bayreuth das „Staccato“ auch im Zeitungsdruck einsetzen (im Jahre 2002 hat man durch hochwertige Druckqualität die Mitgliedschaft im „International Newspaper Color Quality Club“ der Ifra und NAA gewonnen und will diese Spitzenstellung halten und weiter ausbauen), dann jedoch mit Druckpunktgrößen zwischen 30 und 40 µm. Von der gegenwärtigen Diskussion über „SquareSpot“ hält Ulrich Stetter nichts, denn dies führe an der eigentlichen Problematik vorbei.

CtP und die Thermo-Technologie bei den Druckplatten (begrenzender Schwellenwert bei der Punktbildung) hält er für eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Einsatz der FM-Raster-Technologie. Natürlich müsse die eingesetzte Druckmaschine dublierfrei drucken und eine geringe und stabil bleibende Druckzunahme während des Betriebs aufweisen. Die Farbwalzen sollten exakt einstellbar sein und man muss sich bei FM auf leicht erhöhte Anforderungen an die Feuchtmittelführung einstellen. Schließlich sei auf standardisierte Bedingungen (Normalfärbung) Wert zu legen und die Kontrollen an den Druckplatten mit Messgeräten auf CCD-Basis durchzuführen.

Sehr offen sprach Ulrich Stetter über seine Erfahrungen mit der Lieferindustrie, die seinem Vorhaben, das „Staccato“ im Rollenoffsetdruck einzusetzen anfangs sehr ablehnend gegenüber stand. Das vorgebrachte Argument lautete: dies sei nur für den Bogenoffsetdruck entwickelt worden. Er empfiehlt seinen Kollegen, sich nicht von der Skepsis der Hersteller einschüchtern zu lassen und selbst Erfahrungen mit der Anpassung und Kalibrierung zu sammeln. Von Kundenseite sei ihm bei seinen Alleingängen die wenigsten Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden. Es genügte diesen der schlagende Beweis von Druckmustern mit kritischen Sujets. 90% seiner Aufträge werden so auch ohne die Anfertigung eines Proofs von den Kunden akzeptiert. Das liege allerdings auch daran, dass viele Stammkunden ihr ICC-Profil bereits an die Agenturen gegeben haben und so die Aufträge wie Wiederholaufträge behandelt werden können. Auch wurde inzwischen allgemein mit dem Vorurteil aufgeräumt, FM verlange längere Rechenzeiten als AM.

Zusammenfassend stellte Ulrich Stetter noch einmal die Vorteile der FM-Raster-Technologie wie folgt heraus: Erheblich bessere Druckqualität, ruhigere Verläufe, angenehme Hauttöne, keine Probleme mit dem Punktschluss und Wiedergabe feinster Strukturen in den Sujets. Dazu noch: keine Rosettenbildung, kein Moiré, keine unruhige Flächen, kurzum Halbton-Qualität. Nicht zu vergessen: die größere Prozess-Sicherheit und die höhere Wirtschaftlichkeit.

Die weiteren Ziele im Druckhaus Bayreuth betreffen: die Verwendung von FM mit hoch-pigmentierten Druckfarben, weitere Arbeiten zur Messung und Steuerung (wobei gegenwärtig eine russische Diplomandin der TU Chemnitz hilft), der bereits erwähnte Einsatz von FM im Zeitungsdruck und der Ausbau des Colormanagements. Er sei überzeugt, dass sich FM in nächster Zukunft auf breiter Front durchsetzen werde, denn das Druckergebnis sei besser und die Voraussetzungen (exakte Druckmaschine, CtP und Druckplatten) schon jetzt gegeben, schloss Ulrich Setter seinen mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag. FM bringe den Offsetdruck weiter – so wolle er nur am Rande erwähnen, dass man erst kürzlich bei der Cortina von KBA festgestellt habe, dass die Moirébildung durch die Rasterwalze beim Kurzfarbwerk mit FM zum Verschwinden gebracht werden konnte.

In der nachfolgenden Diskussion wurde noch klargestellt, dass man die FM-Rasterung nicht auf konventionelle Rasterweiten umrechnen kann. Was die „Würmchen-Struktur“ bei den Mitteltönen der FM-Raster der 2. Generation betrifft, so werden diese vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen, da sie eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen. Erst ab 40 µm Druckpunktgröße wird die Sichtbarkeitsgrenze erreicht, weshalb im Zeitungsdruck max. 35 µm-Punkte eingesetzt werden sollen. Der Heatset-Rollenoffsetdruck zeige bei FM den Vorteil, dass kein Wegsacken der Druckpunkte ins Papier auftrete – die Punkte durch die Hitze der Trocknung quasi fixiert werden. Man sollte sich bewusst sein, dass der Korridor bei der FM-Produktion etwas enger wird, weshalb standardisiertes Arbeiten in Richtung Industrie vorausgesetzt werden muss. Wer dies in seinem Betrieb nicht sicherstellen kann, sollte besser die Finger davon lassen. Auf Mehrkosten angesprochen, erwiderte Urich Stetter, dass diese nur marginal seien (Software, Feuchtung). Es resultieren also dadurch keine höheren Preise für die Kunden, doch hält man mit FM die besseren Karten in der Hand.

Wer mehr wissen will, der möge Herrn Ulrich Stetter unter u.stetter(at)druckhaus-bayreuth.de direkt ansprechen.

Boris Fuchs

Direktgravur – Ausblick in die Zukunft des Flexodrucks

Markus Mühlfeit, Projektleiter Flexodruckplatten-Direktgravur bei BASF Drucksysteme GmbH in Stuttgart-Feuerbach und Absolvent der HdM in Stuttgart, war der Vortragende bei diesem 5. IDD-VDD-Seminar im Winterhalbjahr 2003/2004. Er begann mit der Geschichte des Flexodrucks, die bekanntlich mit der Patenterteilung auf eine Gummidruckplatte an J.A. Kingsley 1853 in USA begann. 1890 bauten Baron and Sons in Liverpool, England, die erste Anilindruckmaschine – so nannte man damals den Flexodruck. Wegen der geringen Werbewirksamkeit der Namensverbindung mit „Anilin“ wechselte man später zu der Bezeichnung Flexodruck. (Der Begriff Anilindruck rührt wahrscheinlich von den bunten, in Alkohol gelösten Anilinfarbstoffen her, die man damit hauptsächlich verdruckte, während der Flexodruck die flexible Druckform als Pate benennen kann).

Entwicklungen der Neuzeit sind der Einsatz von Photopolymerplatten zur Qualitätsverbesserung 1970, die Einführung des CtP-Ablationsverfahrens 1995 (Zweistufen-Verfahren mit Laserbelichtung einer schwarzen Maske, durch die die eigentliche Belichtung zur Herstellung des Druckreliefs erfolgt) und schließlich die Direktlasergravur im Jahre 2000 zur Prozessvereinfachung. (Anm.: 1974 ließ der Zeitungskonzern Gannett in USA zwei Lasergraviermaschinen für Buchdruckformen von der Laser Graph Systems Corp. anfertigen, die sich jedoch wegen des hohen Energieverbrauchs nicht durchsetzen konnten. Weitere Anwendungsfälle der Lasergravur in unserer Branche sind aus dem Tiefdruck bekannt).

Waren bei den Photopolymer- und CtP-Ablationsverfahren mehrere Prozessschritte (Vorbelichtung, Belichtung, Auswaschen, Trocknen und Nachbehandlung) zwischen Prepress und Druck erforderlich, so kann die Direktgravur diese Zwischenschritte umgehen. Die Durch-laufzeit verkürzt sich so auf 1,5 Std./ m² gegenüber mindestens das Doppelte bei ersteren. Außerdem biete die Kontrollierbarkeit der Prozesskette mehr Produktionssicherheit und damit eine reproduzierbare Qualität. Bei den Lasern handelt es sich um Hochleistungs-CO2-Laser mit Leistungsstärken von 500-1000 W. Bei BASF hat man sich für ein Dreistrahl-System entschieden, wobei sich die 3 hintereinander angeordneten Laserstrahlen die Arbeit differenziert in Höhen- und Tiefengravur teilen. Das verdampfte Plattenmaterial (materialgefüllte Plasmawolke) muss während des Graviervorgangs abgesaugt werden.

Faktoren, die den Gravurprozess beeinflussen sind: die Prozessparameter (Vorschub, Absaugung, Strahldurchmesser), der Laser und seine Optik (Wellenlänge, Ausgangsleistung, Strahlqualität) und die Materialeigenschaften der Druckplatten (optische Eigenschaften, thermophysikalische Eigenschaften). Der Vorteil der Direktgravur mit der Mehrstrahltechnik liegt in der stufenlos kontrollierbaren Punktform, der modulierten Laserleistung, der drei-dimensionalen Wirksamkeit und dem gezielten „Tieferlegen“ der Punkte. Der gravierte Punkt trägt an der Oberfläche eine Kappe mit steilen Flanken, während der darunter liegende Sockel flacher bis steiler geformt werden kann. Durch die Kappenstruktur der Oberfläche verändere sich die Punktfläche und damit das Druckergebnis bei Abnutzung der Form nicht.

An Hochleistungslasern stehen der Excimer-Laser (exited dimer) bei 308 nm., der Nd:YAG-Laser bei 1064 nm und der CO2-Laser bei 10,64 μm Wellenlänge zur Verfügung. Der CO2-Laser habe gegenüber dem Nd:YAG-Laser den Vorteil, dass er bei der Punktgravur auf keine Überlappung angewiesen sei und dadurch mehrere Abstufungen durch Variation des Laserstrahldurchmessers erlaube. Bei Vollflächen werde eine regelmäßige Struktur in die Oberfläche der Form gebrannt, damit sie so eine konstantere Farbübertragung ermöglicht. Dieser verbesserte Kontrast mache sich besonders beim Druck von EAN-Strich-Codes auf Lebensmittelverpackungen positv bemerkbar.

Die BASF Graphische Systeme bietet vier verschiedene Druckplattentypen für die Laserdirektgravur an: hart, mittelhart, weich und für UV-Farben geeignete. Die mittelharte LD-Platte weist eine Härte von 57° Shore A auf und ist nur in einer Stärke von 1,14 mm lieferbar. Sie ist besonders für Etiketten, Faltschachteln etc. geeignet. Die weiche LD1-Platte kommt auf 40° Shore A und wird in den Stärken 1,14, 1,70, 2,54 und 2,84 mm geliefert. (Die verschiedenen Stärken ergeben sich durch die unterschiedlichen Unterschnitte bei den dazu eingesetzten Druckmaschinen). Sie ist hauptsächlich für saugfähige Bedruckstoffe, wie Wellpappen Preprints und Briefumschläge gedacht. Schließlich gibt es noch die harte LD2-Platte von 62° Shore A, die vornehmlich bei flexiblen Verpackungen eingesetzt wird.

Mittels REM-Aufnahmen demonstrierte Herr Mühlfeit die unterschiedliche Flankensauberkeit bei konventionellen Kautschuk-, bei Silikonkautschuk- und Polymer LD-Platten, wobei sich klar die Überlegenheit von letzterer zeigte. Ein Zwischenrufer wies jedoch darauf hin, dass die Qualitätsbreite bei den verschiedenen Kautschuksorten enorm sei, was Homogenität, Abriebfestigkeit und chemische Beständigkeit anbelange, weshalb der Vergleich ohne Angabe der Qualitätssorte nicht aussagekräftig sei. Dies wurde von Herrn Mühlfeit akzeptiert.

Die Firma BASF Drucksysteme GmbH vertreibt neben Druckplatten und Druckfarben auch Lasergraviermaschinen, die man von einem Partner im österreichischen Kufstein fertigen lässt und unter der Bezeichnung „BASF Direct Engraver BDE 4131“ auf dem Markt anbietet. Eine Besonderheit bei dieser Maschine besteht darin, dass beim Gravieren nicht der Laser, bzw. sein Spiegel, sondern der den Abtast- und Gravierzylinder tragende Schlitten auf dem Maschinenbett bewegt wird. Das stelle den stets gleichen Abstand zwischen dem Laser und dem Graviergut sicher. Die Laserkanone liegt parallel zu den beiden Zylindern und sendet ihre drei Strahlen über Spiegel um 90° abgelenkt auf die drei, je um 4,5 mm versetzten Linsen des Laserkopfes, um so senkrecht auf das auf dem Gravierzylinder aufgespannte Graviergut zu treffen. Die Druckform-Aufnahme kann dabei eine magnetische sein, doch lassen sich auch Luftzylinder und Sleeves mit konischen Spreizdornen einsetzen.

Die Abmessungen der Laser- Graviermaschine BDE 4131 betragen 4500 x 1300 x 1600 mm. Die Laserleistung beträgt zwischen 150 und 250 W in Multibeam-Technology bei einer Spotgröße von 25 μm. Die Drehzahl wird mit 250 bis max. 1800 Umdr./min angegeben und der Vorschub ist auflösungsabhängig (1270-2032 dpi) zu wählen. Als Datenformat wird TIFF bevorzugt, doch können auch eine Reihe von anderen Formaten verarbeitet werden. Gängige Rasterweiten sind 42 und 48 L/cm – auch 60 L/cm können erreicht werden. Seit der drupa2000 wurden bereits 400 Maschinen weltweit abgesetzt. Es ist im Markt eine Tendenz zu Firmenzusammenschlüssen zu beobachten (um Markenartikler mit konstanter Druckqualität europaweit bedienen zu können), weshalb eine Auslastung der Maschinen im 2- und 3-Schichten-Betrieb, wie sie für die Amortisation der Anlage notwendig ist, keine Schwierigkeiten bereiten sollte.

Wie wichtig das Gravur-Know-how auch bei einem automatisierten System wie der Laser-Direktgravur ist, bewies Herr Mühlfeit mit den REM-Aufnahmen eines Passerkreuzes auf zwei Flexoplatten. Während Laser A ein stark ausgebildetes Relief zeigte, war dieses bei Laser B nur schwach vorhanden. Über die Gründe entwickelte sich eine lebhafte Diskussion: War es die mangelhafte Einstellung bei der Software (Flanken- und Punktform-Definition) oder der Mangel an geeigneten Proof-Verfahren?

Die Nachreinigung der gravierten Druckform geschieht mit Rundbürsten ca. 60 Sek. lang in einer speziellen Vorrichtung – evtl. auch unter Anwendung des Reinigungsmittels „Print-clean“. Bei der Abluftreinigung und Filterung des ablatierten Materials, der Polymerpartikel und der niedrig-molekularen Fragmente biete sich die Filterung mittels Aktivkohle an. Wenn eine thermische Nachverbrennung vorhanden sei, könne auch diese dazu verwendet werden. Zum Schluss wies Herr Mühlfeit noch auf die Vorteile der Lasergravur bei Nahtlos / Endlos-Formen hin, wie sie im Verpackungsdruck gebraucht werden. Mit „cutting – mounting – merging – reinforcing – engraving“ arbeite man daran intensiv bei BASF Drucksysteme in Stuttgart-Feuerbach.

Bei der anschließenden Diskussionsmöglichkeit unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing. Edgar Dörsam, von der schon während des Vortrags reger Gebrauch gemacht wurde, ging Herr Mühlfeit auf die Zukunftschancen des Flexodrucks etwas näher ein. Er sei überzeugt, dass die Direktgravur besonders im Sektor flexibler Verpackungen ihre Marktstellung noch ausbauen werde. Es seien leistungsfähigere Laser und größere Datenraten bei der Übertragung denkbar, was zu höheren Graviergeschwindigkeiten führen werde. Auch könne sich die Anzahl von Laserstrahlen noch bis auf 8 erweitern lassen. Ein Autofokus-System sei schon heute anwendbar.

Auf den Erfahrungsaustausch mit der Praxis des Flexodruckverfahren im Zeitungsdruck angesprochen, insbesondere, was die geringere Stärke der Druckplatten anbelangt, wurde Herrn Mühlfeit die Information herausgelockt, dass BASF Drucksysteme dazu bei der drupa2004 in Düsseldorf mit einer Neuigkeit aufwarten werde. Selbstverständlich handle es sich dabei um ein ganz anderes System, als das im Verpackungsdruck angewandte. Schließlich verbiete sich dieses schon durch den Zeitfaktor. Doch sei es schwierig die verschieden Anforderungen, wie sie in Italien, in England und in den USA – den Ländern, die seither schon das Flexodruckverfahren bei Zeitungen einsetzen – unter einen Hut zu bringen. Das Auditorium dankte dem Referenten mit einem lang anhaltenden Applaus.

Dipl.-Ing. Boris Fuchs

Effektpigmente für die Druckindustrie

Ein Bericht vom zweiten VDD-Seminar in 2003 im Haus für Industriekultur Darmstadt

Den Reigen der insgesamt sieben VDD-Seminare im Winterhalbjahr 2003/04 eröffnete der Altmeister des innovativen Druckmaschinenbaus, der Senior-Chef des Konzerns KBA, Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Hans-Bernhard Bolza-Schünemann, der über die Schnellpressenära von 1812 bis 1980 sprach und dabei besonders die vielgestaltigen Satzbettantriebe hervorhob. Man hätte sich gewünscht, dass mehr Studenten seinen so mitreißend vorgetragenen Ausführungen gefolgt wären, um sich von der Faszination des Konstrukteurberufs fesseln zu lassen. So war der Vortragssaal im Haus für Industriekultur in Darmstadt im Wesentlichen von bereits Druckmaschinenbegeisterten und historisch Interessierten gefüllt. Der Veranstaltungsort hatte den Vorteil, dass das Gehörte gleich vor Ort, an den dort ausgestellten Schnellpressen nachgeforscht werden konnte.

Dr. Bolza-Schünemann, von seinen Mitarbeitern liebevoll HBS genannt, machte den Wandel an acht verschiedenen Schnellpressentypen klar. Da war zunächst die Ur-Schnellpresse des Friedrich Koenig aus dem Jahre 1812, die erstmals die bei der Gutenbergpresse und ihren eisernen Nachfolgetypen noch statischen Arbeitsschritte des Einfärbens der Form und des Ausübens des Drucks in eine fließende Fertigungskette integrierte. Der Satzbettantrieb mittels Rechenantrieb, wie er in Wäschemangeln gebräuchlich war, der Reibrad-Variator für die Zustellbewegung der Farbbüchse, das Hornradgetriebe, die Hookeschen Gelenke – das alles wurde mit Videounterstützung plastisch den Seminarteilnehmern vor Augen geführt.

Auf diese erste Schnellpresse von Koenig & Bauer folgte1836 eine Schnellpresse mit Rollrad-Antrieb von Helbig & Müller in Wien, wobei eine Kurbel an die Stelle des Rechen-Antriebs trat und wobei die sich auf einer festen Zahnstange abstützenden Rollräder unter dem Karren den Kurbeldurchmesser entsprechend der 1:2-Übersetzung verkleinerten. Ein Fanggabel-Mechanismus besorgte den Stillstand des Druckzylinders während der Bogenanlage, während den Bogentransport erstmals Greifer besorgten. Darauf hin entwickelte Andreas Bauer nach Friedrich Koenigs allzu frühen Tod die so genannte Eisenbahnbewegung, und 1840 zudem einen ganz neuen Typ von Antrieb, die auf einem Planetengetriebe basierende Kreisbewegungsmaschine. Ein Planetenrad, an das der Karren direkt und fest angeschlossen war, wälzte sich dabei in einem großen, still stehenden, innen verzahnten Radkranz ab. Die Dresdner Schnellpressenfabrik, aus der die Planeta hervor ging, griff 1902 dieses System auf und verkleinerte das Planetengetriebe durch Nachschaltung einer Art Eisenbahnbewegung.

Das Zweitouren-Prinzip erklärte Dr. Bolza-Schünemann an einer Miehle-Schnellpresse. Wie der Name schon sagt, führte bei ihr der Druckzylinder zwei Umdrehungen pro Druckgang durch. Charakteristisch war bei ihr auch, dass die Auslage der bedruckten Bogen auf der gegenüber liegenden Seite zur Anlage erfolgte, was man Frontbogenausgang nannte. Dadurch baute sie sehr lang, denn der Ausleger musste das gesamte Formbett überspannen. Der Formbettantrieb ähnelte dem Mangel-Rechenantrieb, jedoch bewegte sich bei dieser nicht auf- und, sondern seitlich bei Führung in den Totpunkten über Kulissen. Wegen der großen bewegten Massen mussten zusätzlich zur Kulissenführung Luftpuffer eingebaut werden. Man erreichte so 2 200 – 2 300 Bogen/h.

Eine Besonderheit brachte 1935 die Schnellpressenfabrik Heidelberg mit ihrer Eintouren-Schnellpresse OHZ heraus. Das Eintourenprinzip war zwar schon aus USA bekannt, wo nicht weniger als 21 Hersteller, u.a. Walter Scott, diesen Maschinentyp fertigten, doch die Heidelberger und ein Schweizer Patentgeber führten dazu den beschleunigten Karrenrücklauf mit einer Doppel-Kurbel und einer gelenkten Zahnstange ein. Natürlich war der nur einmal pro Druckgang drehende Druckzylinder doppelt so groß als bei den üblichen Schnellpressen ausgeführt, denn für den Druck stand nur ein schmales Segment auf seinem Umfang zur Verfügung. Es wurden damit 3 500 Bogen/h erreicht.

Eine neuartige Zweitourenmaschine brachte die US-amerikanische Firma Miller 1942 heraus, indem sie eine V-förmige Kulisse unter dem Karren anbrachte, in die in den jeweiligen Endpunkten das Antriebsrad einschwenkte und zwei verschiedene Zahnstangen zum Einsatz kamen. Die Produktionsgeschwindigkeit stieg damit auf 3 500 – 4 000 Bogen/h. Noch kompakter baute der kleinformatige Poly-Automat der MAN aus dem Jahre 1950, der trotz seiner fast nur Tischgröße eine echte Zweitourenmaschine war. Erreicht wurde dies durch ein schaukelförmiges Gebilde unter dem Antriebsrad, das an seinen beiden Enden je einen Schlitz in der Form einer Epizykloide trug und so die Umkehrbewegung des Karrens steuerte,

Die große Agonie des Schnellpressenbaus wurde 1958 mit der Zweitourenmaschine Condor von Koenig & Bauer eingeläutet. Sie bestach nicht nur durch ihr ansprechendes Design, sondern steckte auch voller Innovationen. Da war zunächst die Antriebssteuerung über ein Malteserkreuzgetriebe, bei dem Einsatzstücke Formschlüssigkeit gewährleisteten. Der im Fundament versenkte Antrieb bestand aus zwei Zweitourenwellen und war zur Massenreduzierung aus Leichtmetallguss hergestellt. Ein stark beschleunigter Karrenrücklauf brachte die Produktionsleistung auf 4 600 Bogen/h und eine Stopp- und Umkehrtrommel nach der Bogenanlage, ließ die An- und Ablage auf der gleichen Seite zu, wodurch eine kompakte Bauweise zustande kam, zumal das Farbwerk nach oben abfahrbar war, um die Zugänglichkeit zur Druckform zu gewährleisten.

Um das Jahr 1980 kam jedoch ganz plötzlich das Aus für die im Buchdruck arbeitenden Schnellpressen. Die Bogenrotationsmaschinen mit geätzten und photopolymeren Wickelplatten versuchten zwar den Buchdruck noch zu retten, doch der aufkommende Offsetdruck mit seinen wesentlich preiswerteren, planen Druckplatten und der Möglichkeit, den Vierfarbendruck ohne Zurichtung durchführen zu können, obsiegte am Ende auf der ganzen Linie. Dr. Bolza-Schünemann sagte zu Abschluss, Koenig & Bauer haben selbst dazu beigetragen, das Grab für die Buchdruck-Schnellpressen zu schaufeln, indem sie auf der TPG-Messe 1974 in Paris eine Bogenoffsetmaschine mit einer Produktionsgeschwindigkeit von 15 000 Bogen/h auf den Markt brachten, was einer Verdreizehnfachung der Leistung gegenüber der ersten Schnellpresse entsprach.

Dipl.-Ing. Boris Fuchs

Faszination Schnellpressenantriebe

Ein Bericht vom zweiten VDD-Seminar in 2003 im Haus für Industriekultur Darmstadt

Den Reigen der insgesamt sieben VDD-Seminare im Winterhalbjahr 2003/04 eröffnete der Altmeister des innovativen Druckmaschinenbaus, der Senior-Chef des Konzerns KBA, Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Hans-Bernhard Bolza-Schünemann, der über die Schnellpressenära von 1812 bis 1980 sprach und dabei besonders die vielgestaltigen Satzbettantriebe hervorhob. Man hätte sich gewünscht, dass mehr Studenten seinen so mitreißend vorgetragenen Ausführungen gefolgt wären, um sich von der Faszination des Konstrukteurberufs fesseln zu lassen. So war der Vortragssaal im Haus für Industriekultur in Darmstadt im Wesentlichen von bereits Druckmaschinenbegeisterten und historisch Interessierten gefüllt. Der Veranstaltungsort hatte den Vorteil, dass das Gehörte gleich vor Ort, an den dort ausgestellten Schnellpressen nachgeforscht werden konnte.

Dr. Bolza-Schünemann, von seinen Mitarbeitern liebevoll HBS genannt, machte den Wandel an acht verschiedenen Schnellpressentypen klar. Da war zunächst die Ur-Schnellpresse des Friedrich Koenig aus dem Jahre 1812, die erstmals die bei der Gutenbergpresse und ihren eisernen Nachfolgetypen noch statischen Arbeitsschritte des Einfärbens der Form und des Ausübens des Drucks in eine fließende Fertigungskette integrierte. Der Satzbettantrieb mittels Rechenantrieb, wie er in Wäschemangeln gebräuchlich war, der Reibrad-Variator für die Zustellbewegung der Farbbüchse, das Hornradgetriebe, die Hookeschen Gelenke – das alles wurde mit Videounterstützung plastisch den Seminarteilnehmern vor Augen geführt.

Auf diese erste Schnellpresse von Koenig & Bauer folgte1836 eine Schnellpresse mit Rollrad-Antrieb von Helbig & Müller in Wien, wobei eine Kurbel an die Stelle des Rechen-Antriebs trat und wobei die sich auf einer festen Zahnstange abstützenden Rollräder unter dem Karren den Kurbeldurchmesser entsprechend der 1:2-Übersetzung verkleinerten. Ein Fanggabel-Mechanismus besorgte den Stillstand des Druckzylinders während der Bogenanlage, während den Bogentransport erstmals Greifer besorgten. Darauf hin entwickelte Andreas Bauer nach Friedrich Koenigs allzu frühen Tod die so genannte Eisenbahnbewegung, und 1840 zudem einen ganz neuen Typ von Antrieb, die auf einem Planetengetriebe basierende Kreisbewegungsmaschine. Ein Planetenrad, an das der Karren direkt und fest angeschlossen war, wälzte sich dabei in einem großen, still stehenden, innen verzahnten Radkranz ab. Die Dresdner Schnellpressenfabrik, aus der die Planeta hervor ging, griff 1902 dieses System auf und verkleinerte das Planetengetriebe durch Nachschaltung einer Art Eisenbahnbewegung.

Das Zweitouren-Prinzip erklärte Dr. Bolza-Schünemann an einer Miehle-Schnellpresse. Wie der Name schon sagt, führte bei ihr der Druckzylinder zwei Umdrehungen pro Druckgang durch. Charakteristisch war bei ihr auch, dass die Auslage der bedruckten Bogen auf der gegenüber liegenden Seite zur Anlage erfolgte, was man Frontbogenausgang nannte. Dadurch baute sie sehr lang, denn der Ausleger musste das gesamte Formbett überspannen. Der Formbettantrieb ähnelte dem Mangel-Rechenantrieb, jedoch bewegte sich bei dieser nicht auf- und, sondern seitlich bei Führung in den Totpunkten über Kulissen. Wegen der großen bewegten Massen mussten zusätzlich zur Kulissenführung Luftpuffer eingebaut werden. Man erreichte so 2 200 – 2 300 Bogen/h.

Eine Besonderheit brachte 1935 die Schnellpressenfabrik Heidelberg mit ihrer Eintouren-Schnellpresse OHZ heraus. Das Eintourenprinzip war zwar schon aus USA bekannt, wo nicht weniger als 21 Hersteller, u.a. Walter Scott, diesen Maschinentyp fertigten, doch die Heidelberger und ein Schweizer Patentgeber führten dazu den beschleunigten Karrenrücklauf mit einer Doppel-Kurbel und einer gelenkten Zahnstange ein. Natürlich war der nur einmal pro Druckgang drehende Druckzylinder doppelt so groß als bei den üblichen Schnellpressen ausgeführt, denn für den Druck stand nur ein schmales Segment auf seinem Umfang zur Verfügung. Es wurden damit 3 500 Bogen/h erreicht.

Eine neuartige Zweitourenmaschine brachte die US-amerikanische Firma Miller 1942 heraus, indem sie eine V-förmige Kulisse unter dem Karren anbrachte, in die in den jeweiligen Endpunkten das Antriebsrad einschwenkte und zwei verschiedene Zahnstangen zum Einsatz kamen. Die Produktionsgeschwindigkeit stieg damit auf 3 500 – 4 000 Bogen/h. Noch kompakter baute der kleinformatige Poly-Automat der MAN aus dem Jahre 1950, der trotz seiner fast nur Tischgröße eine echte Zweitourenmaschine war. Erreicht wurde dies durch ein schaukelförmiges Gebilde unter dem Antriebsrad, das an seinen beiden Enden je einen Schlitz in der Form einer Epizykloide trug und so die Umkehrbewegung des Karrens steuerte,

Die große Agonie des Schnellpressenbaus wurde 1958 mit der Zweitourenmaschine Condor von Koenig & Bauer eingeläutet. Sie bestach nicht nur durch ihr ansprechendes Design, sondern steckte auch voller Innovationen. Da war zunächst die Antriebssteuerung über ein Malteserkreuzgetriebe, bei dem Einsatzstücke Formschlüssigkeit gewährleisteten. Der im Fundament versenkte Antrieb bestand aus zwei Zweitourenwellen und war zur Massenreduzierung aus Leichtmetallguss hergestellt. Ein stark beschleunigter Karrenrücklauf brachte die Produktionsleistung auf 4 600 Bogen/h und eine Stopp- und Umkehrtrommel nach der Bogenanlage, ließ die An- und Ablage auf der gleichen Seite zu, wodurch eine kompakte Bauweise zustande kam, zumal das Farbwerk nach oben abfahrbar war, um die Zugänglichkeit zur Druckform zu gewährleisten.

Um das Jahr 1980 kam jedoch ganz plötzlich das Aus für die im Buchdruck arbeitenden Schnellpressen. Die Bogenrotationsmaschinen mit geätzten und photopolymeren Wickelplatten versuchten zwar den Buchdruck noch zu retten, doch der aufkommende Offsetdruck mit seinen wesentlich preiswerteren, planen Druckplatten und der Möglichkeit, den Vierfarbendruck ohne Zurichtung durchführen zu können, obsiegte am Ende auf der ganzen Linie. Dr. Bolza-Schünemann sagte zu Abschluss, Koenig & Bauer haben selbst dazu beigetragen, das Grab für die Buchdruck-Schnellpressen zu schaufeln, indem sie auf der TPG-Messe 1974 in Paris eine Bogenoffsetmaschine mit einer Produktionsgeschwindigkeit von 15 000 Bogen/h auf den Markt brachten, was einer Verdreizehnfachung der Leistung gegenüber der ersten Schnellpresse entsprach.

Dipl.-Ing. Boris Fuchs

Das Maschinenelement Gummituch

Ein Bericht vom ersten VDD-Seminar in 2003 im Haus für Industriekultur Darmstadt

Es lebt noch, das jahrzehntelange Sorgenkind Haus für Industriekultur in Darmstadt, auch wenn es sich wie weiland Oskar Matzerath im Roman „Die Blechtrommel“ von Günter Grass nicht mehr weiter gewachsen ist. Die 38 Teilnehmer des VDD-Seminars am 12. Juni 2003 hatten die Gelegenheit, das Haus vor dem Vortrag zu inspizieren und waren beeindruckt von der Fülle an Exponaten, den 13 betriebsfähigen Linotype-Bleisetzmaschinen vom Modell 4a bis zur Universa, den 10 Schnellpressen von der Marinoni-Stoppzylindermaschine von 1850 über die Kreisbewegungsmaschine von Koenig & Bauer aus dem Jahre 1875 bis zum Heidelberger OHZ, den 13 eisernen Hand- und Tiegelpressen, sowie der einfachbreiten MAN-Rotation aus dem Jahre 1935. Im 3. Stock des historischen Gebäudes an der Kirschenallee betreibt weiterhin der Darmstädter Künstler Günter Staschik sein Kupferstich-Kabinett neben den sechs Lithographie-Reiberpressen und in einem durch eine Glaswand abgetrennten Bereich fertigt Rainer Gerstenberg wie eh und je seine Bleisatzschriften auf einer Vielzahl von fest installierten Einrichtungen, die von der D. Stempel AG nach deren Auflösung übernommen wurden. Wer vorwitzig genug war, konnte im 2. Stock hinter den Trennwänden der Kinderdruckerei eine Vielzahl von restaurierungsbedürftigen Maschinen und Geräten entdecken, die still vor sich hin rosten und nur der Kenner weiß, dass ein wahrer Schatz im Kellergeschoss liegt: 700 bebilderte Lithosteine und mehrere Tonnen von verpacktem Schriftmaterial lagern hier in 150 m langen Regalen. Wäre das Haus eine Arche Noah, sie könnte dank dieses enormen Kielballastes niemals kentern.

Eigentümerin des Hauses wurde nach dem Zusammenbruch der Vereinsträgerschaft das Hessische Landesmuseum, das die Aktivitäten auf Sparflamme weiter betreibt. Die Einzigartigkeit dieses, neben den Leipziger Werkstätten und Museum für Druckkunst wohl größten deutschen Druckmuseums hätte eine stärkere staatliche Unterstützung verdient, um weiter bestehen und wachsen zu können – mindestens zwei Stockwerke stehen noch leer.

Immer wieder ist die Rede davon, dass die druckrelevanten Fachbereiche der Technischen Universität Darmstadt in das Museum integriert werden sollten, indem zumindest deren Werkstätten in das Haus für Industriekultur einziehen und so das Haus mit echtem Leben erfüllen. Ein Anzeichen dafür könnte sein, dass das von Prof. Dr.-Ing. Edgar Dörsam moderierte, erste VDD-Seminar dieses Jahres an diesem Ort stattfand. Der Referent dieser Abendveranstaltung, Dipl.-Ing. Joachim Herrmann von der Entwicklungsgruppe Drucktücher der ContiTech Elastomer-Beschichtungen GmbH in Northeim, Tochtergesellschaft der Continental AG in Hannover, baute denn auch sein Referat gegenüber früher gehörten Vorträgen zum gleichen Thema „Drucktücher für den Offsetdruck“ mehr nach einer wissenschaftlichen Zielrichtung auf.

Aus der Fülle von Anforderungen, die ein Gummituch zu erfüllen hat, wie Langlebigkeit, Quellbeständigkeit, Ausdruckverhalten, Registereigenschaft, Tonwertzunahme, Maßhaltigkeit, Aufbauen, Förderverhalten, Rückstellfähigkeit, Wärmeentwicklung, Reproduzierbarkeit, Einfallen, Dehnung und Spaltenbildung wählte er die drei Eigenschaften Kompressibilität, Förderverhalten und Benetzungsfähigkeit für eine eingehendere Behandlung in seinem Vortrag aus. Die Kompressibilität betreffend verwies er darauf, dass die bloße Shorehärte-Messung hier nicht weiter hilft. Es braucht dazu einen Quasi-statischen Prüfstand zur Messung der Federkennlinie. Ziel ist dabei, nach wenigen wechselnden Belastungen eine Konstanz zu erreichen und die Kompressibilität des Gummituchs so hoch wie möglich zu treiben – bis zu der Grenze, bei der der Ausdruck nachlässt. Mit eingeschlossenen Gummibläschen macht man sich dabei den Tennisball-Effekt zu Nutzen.

Für das Förderverhalten, das sowohl bei Achtertürmen als auch bei Satelliten-Druckeinheiten Papierspannungs-Lose zwischen den Druckstellen vermeiden hilft, wählt man bestimmte Gummikombinationen in der „Neutral Paper Feed Technology“ aus, der man das Markenzeichen „ContiTech Evolution / Synchro“ gegeben hat. Bei der Entwicklung der Gummimischung konnte man sich auf analytisch-geometrische Untersuchungen über den effektiven Rolldurchmesser der Koenig & Bauer AG (KBA) in Würzburg stützen. In der Gegenüberstellung von ideal kompressibel und ideal inkompressibel ergibt sich dabei ein gutes Hilfsmittel für den Drucker bei Spannungsproblemen. KBA entwickelte dazu einen speziellen Prüfstand. Auf ihm wird neben dem Förderverhalten auch die Verlustarbeit und die dynamische Druckkraft gemessen – und dies sowohl für die üblichen textilbewehrten Gummitücher, als auch für die neuen metallbewehrten Gummitücher für geringere Kanalbreite sowie leichtere Wechselbarkeit und die kanalfreien Drucktuchhülsen, „Sleeves“ genannt. Ein weiterer Weg sei zwar auch mit der FEM-Simulation gangbar, doch liefere diese keine so verlässlichen Ergebnisse.

Bei der Benetzungsfähigkeit war das Paradoxon zu lösen, die Gummituchoberfläche gleichzeitig hydrophil und oleophil zu machen. Auch hier ist das Mittel zum Erreichen dieses Ziels, die richtige Gummi-Rezeptur zu finden. Polarität, Oberflächenstruktur, Quellungscharakteristik, Adhäsionsneigung und der pH-Wert sind dabei die wichtigsten Einflussgrößen, um einen nahezu alkoholfreien Offsetdruck durchführen zu können. Das Testverfahren bezieht sich mit dem Curling-Test auf den QR-Effekt (Quick Release), indem die Lockenhöhe von zehn aufeinander folgenden Bogen gemessen wird (je höher die Abziehkraft vom Gummituch, je höher die Lockenhöhe am Ende des Bogens).

Dem Referenten wurde mit einem lang anhaltenden Applaus vom Auditorium gedankt, in dem sich viele Praktiker und auch mehrere Damen – eine Seltenheit bei VDD-Veranstaltungen – befanden. Einige Unentwegte trafen sich danach noch zu einem Umtrunk in einem Darmstädter Lokal, um den Abend in einer kameradschaftlich lockeren Atmosphäre mit dem neuen und jungen Professor ausklingen zu lassen.

Dipl.-Ing. Boris Fuchs

90 Jahre Rollenoffset

Bericht über ein IDD-VDD-Seminar

Am 25. Juni 1912 druckte die erste Rollenoffsetdruckmaschine der Welt, genannt „Universal“, beim Druckwalzenhersteller Felix Böttcher in Leipzig, auf die der Offset-Pionier Caspar Hermann schon am 26. November 1907 ein deutsches Patent erhalten hatte und die der Böttcher-Inhaber Ernst Herrmann auf eigene Rechnung bei der Vogtländischen Maschinenfabrik AG (VOMAG) in Plauen bauen ließ. Gleichzeitig wurde damit das Gummi-gegen-Gummi-Prinzip erfunden, das den Schön- und Widerdruck simultan und ohne Einfügung zusätzlicher Druckzylinder bewekstelligen konnte.

Dies und die weiteren Entwicklungsschritte zum heute allgemein eingesetzten Offsetdruckverfahren waren das Thema des ersten VDD-Seminars dieses Jahres am IDD der TU Darmstadt, zu dem der VDD-Vorstand als Referenten Herrn Joe Nünlist aus der Schweiz gewinnen konnte. Nünlist hat seine Erfahrungen auf diesem Gebiet, die er in den verschiedenen Firmen (7 Jahre GOSS in USA, 7 Jahre MAN in Augsburg, 3 Jahre Albert-Frankenthal und 13 Jahre Heidelberg) sammeln konnte, jüngst in einem Buch mit dem Titel: „Historie des Rollenoffset-Verfahrens“ (über den Keppler Verlag in Heusenstamm erhältlich) veröffentlicht. Eine besondere Note erhielt das Seminar auch dadurch, dass sich die Enkelin von Caspar Hermann, Frau Helen Schmits, unter den Seminarteilnehmern befand, die ihrerseits im Eigenverlag gerade ein Buch über ihren Großvater mit dem Titel:“ Caspar Hermann – ein Leben für den Offsetdruck“ herausgebracht hat.

Joe Nünlist unterteilte seinen Vortrag in die drei Entwicklungsepochen des Rollenoffsetdrucks: die Gründerzeit (1912-1940), die Renaissance (1940-1980) und die Neuzeit (1980-heute). Besonders interessant war dabei, was er über die Anfänge des Illustrations-Rollenoffsetdrucks in USA zu sagen hatte. Dort baute schon in den 1940er Jahren der aus Deutschland stammende Konstrukteur John F. Webendorfer bei der Schriftgießerei American Type Founders (ATF) in Elisabeth, New Jersey, die erste Rollenoffsetmaschine mit stehenden Doppeldruckwerken, indem er die Zylinderanordnung des Caspar Hermann um 90° in die Vertikale drehte. Wichtig war dabei die S-Umschlingung der Papierbahn an den Gummituchzylindern, um Bahnspannungsschwankungen zu vermeiden – ein Patent, um das viel gestritten wurde und erst 1971 auslief.

Webendorfer kümmerte sich nicht nur um die Gestaltung der Druckwerke, sondern auch um die peripheren Einrichtungen der Rollenoffsetmaschine, wie Einzugswerk, Trockner und Kühlwalzen. Für die mit Gasbrennern bestückten Trockner im Heatset-Druck wurde Ben Offen in Chicago sein Partner. Später gesellte sich Otepka hinzu. Ende der 1940er Jahre wurden die ersten so ausgerüsteten ATF-Rollenoffsetmaschinen in USA ausgeliefert. Als zu Beginn der 1960er Jahre in Europa das Interesse am Rollenoffsetdruck erneut erwachte, druckten in USA bereits 288 Maschinen in 133 Druckereien. Neben ATF waren dies Maschinen auch von Hantscho und Fairchild.

Die Drupa 1962 setzte den Markstein für die Renaissance des Rollenoffsetdrucks in Europa, indem die traditionellen Hersteller MAN, Albert-Frankenthal, Faber & Schleicher / Roland, Frühwald & Jäger, GMA und Wifag mit neuen Maschinen herauskamen. Konzentrierte sich bis dahin das Rollenoffsetdruckverfahren hauptsächlich auf den höher-qualitativen Illustrationsdruck, so kamen mit Ende der 1960er und Beginn der 1970er Jahre auch spezielle Zeitungsoffsetdruckmaschinen hinzu, die zunehmend den bis dahin praktizierten Buchdruck ablösten. Zwischenlösungen wie indirekter Buchdruck, Di-Litho und Flexodruck konnten den Trend zum Offsetdruck nicht aufhalten.

Joe Nünlist schloß sein hoch-informatives Referat mit dem Nachwort aus seinem Buch: „Seit der Gründung des Rollenoffsetdrucks 1912 sind Bahngeschwindigkeiten sowie Druckqualität ständig angestiegen, und es könnte der Eindruck entstehen, dass keine Grenzen gesetzt sind. Dem ist jedoch nicht so, denn Grenzen werden immer bestehen. Getreu dem ökonomischen Grundgesetz, dass die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen unbegrenzt sind, so wird auch der Rollenoffset an Grenzen stossen.“ Und er fügte hinzu, dass das Substitut sich vielleicht schon mit dem Digitaldruck am Horizont abzeichnet. Er wolle mit seinem Buch und so auch mit diesem Referat zum Nachdenken anregen, getreu dem Leitspruch: „Nur wer die Geschichte kennt, kann in die Zukunft blicken!

Dipl.-Ing. Boris Fuchs

Was so alles passiert, wenn höhere Konstruktionslehre auf Druckmaschintechnik trifft

Der Autor hat zunächst als Assistent am Lehrstuhl für Produktentwicklung, TU München gearbeitet.
Er konnte innerhalb von MAN Roland dieses Wissen als Leiter eines grossen Entwicklungsprojektes anwenden. In diesem Spannungsfeld konnte er sich überzeugen, dass bei der Druckmaschinenentwicklung ein hohes Mass an Flexibilität in der Anwendung der theoretischen Grundlagen notwendig ist. Insbesondere Themen wie Aufgabenklärung, Lösungsvarianten in der Konzeptphase, Detailierungsgrad der Planung und entwicklungsbegleitende Entscheidungsfindung werden diskutiert.

Dr.-Ing. Anthimos Giapoulis

Giapoulis

Vorankündigung 2016

VDD-Jahrestagung 2016

Die diesjährige VDD-Jahrestagung wird am 30. September bei der Bosch Rexroth AG in Lohr stattfinden.

 

VDD Mitgliederversammlung 2016

Die diesjährige VDD-Mitgliederversammlung wird am Vorabend der Jahrestagung (29. September) ebenfalls bei der Bosch Rexroth AG in Lohr stattfinden. Voraussichtlicher Beginn wird gegen 17:00 Uhr sein.

Downloadbereich Jahrestagung 2015

Jahrestagung 2015

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Erfolgsfaktor Umbruch

Karlheinz Mohn (Vorsitzender des VDD)
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Sven Michael (KBA-MePrint, Veitshöchheim)
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Kai Büntemeyer (KOLBUS, Rahden)
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Senator h.c. Peter Sommer (ELANDERS Europe, Waiblingen)
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Thomas Strobel (FENWIS Zukunftslandkarten, Gauting)
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Heiko Runge
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Dr. Manfred Efinger (Kanzler der TU Darmstadt)
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Dr. Eduard Neufeld (FOGRA München)
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